Aktuelles aus dem Mediävistenverband
CfP: ‚Akustische Dimensionen des Mittelalters. Methoden, Begriffe, Perspektiven‘ – Themenheft der Zeitschrift ‚Das Mittelalter‘
Herausgeber: Prof. Dr. Martin Clauss (Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Technische Universität Chemnitz) und PD Dr. Gesine Mierke (Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Technische Universität Chemnitz) (DFG-Netzwerk „Lautsphären des Mittelalters“)
Bewerbungsfrist: 1. November 2020
Autor*innenkonferenz an der HU Berlin im Oktober 2021 – Der genaue Termin wird in Kürze festgelegt.
Abstract
Wie jede andere Epoche, so war auch das Mittelalter keineswegs stumm, sondern von zahlreichen akustischen Phänomenen geprägt; diese reichten von den Klängen der Musik zu den Geräuschen des Handwerkes, vom Lärm des Krieges zur Stille der Klöster. Die akustischen Dimensionen des Mittelalters finden denn auch vermehrt Aufmerksamkeit in der mediävistischen Forschung, die dabei Anregungen aus Nachbardisziplinen – insbesondere der Musikwissenschaften und der sound studies – aufgreift und vertieft.
Ausgangspunkt dieser Überlegungen ist die Beobachtung, dass die Einbeziehung akustischer Phänomene entscheidende Impulse für ein detaillierteres und angemesseneres Verständnis der Epoche (Wahrnehmung, Raumkonstruktionen, Intermedialität, Medialität etc.) liefern kann. So rekurrieren etwa soziale Interaktionen auf akustische Signale, narrative Ausgestaltungen beziehen sich auf und sind in sich lautliche Ausformungen. Akustik strukturierte mittelalterliche Alltage und prägte Präsentationsformen gleichermaßen.
Die mediävistische Lautforschung steht dabei vor der grundlegenden methodischen Herausforderung, dass die zu untersuchenden Laute verklungen und nur noch als Ergebnis medialer Transformationen zugänglich sind. Diese fanden ihren Niederschlag in verschiedenen Quellengattungen (Geschichtswissenschaft), in unterschiedlichen literarischen Gattungen (Literaturwissenschaft), in Kunstwerken (Kunstgeschichte) sowie Notationen (Musikwissenschaften). Sie sind überdies in diverse soziale, performative und narrative Kontexte eingebunden, die alle Bereiche der mittelalterlichen Gesellschaft (Religion, Recht, Krieg, Kunst etc.) erfassen. Das Forschungsthema ist damit in seinem Wesenskern interdisziplinär angelegt und auf die Vielfalt methodischer Zugriffe angewiesen.
Dem soll die Konzeption des Themenheftes ‚Akustische Dimensionen des Mittelalters. Methoden, Begriffe, Perspektiven.‘ Rechnung tragen. Mit dem bewusst offenen und wertneutralen Begriff ‚akustische Dimension‘ sind alle lautlichen Phänomene (von Musik bis Stille) und die Vielzahl von möglichen zeitgenössischen und modernen Deutungsansätzen erfasst. Damit steht nicht ein als unveränderlich gedachtes Klang-Ereignis im Zentrum der Analyse, sondern multimediale Konstruktionen von Lautsphären.
Mögliche Untersuchungsfelder sind:
- Symbolik, Semantik, Ausdeutung von Lauten
- mediale Vermittlung des Akustischen; Wahrnehmung und Inszenierung von Klängen in Texten und Bildern
- Konstruktionen akustischer Raume (z.B. Siedlungsformen als Lauträume, Kirchen als Klangräume etc.)
- Akustik und Performanz; Klangfiguren und Lautmetaphern
- soziale Distinktion durch Akustik
- akustische Dimensionen des Fiktiven
- Akustik im Religiösen
Im Zusammenspiel verschiedener akustischer Dimensionen soll das vorgeschlagene Themenheft eine Annäherung an ein aktuelles Forschungsgebiet schaffen und Anknüpfungspunkte für weiterführende interdisziplinäre Diskussionen eröffnen. Beiträge zu beispielbezogenen Einzelstudien sind ebenso willkommen wie übergreifende methodisch-theoretische Beiträge.
Bitte schicken Sie Ihre Vorschläge (max. 3.000 Zeichen) bis zum 1. November 2020 an die Herausgeber (martin.clauss@phil.tu-chemnitz.de; gesine.mierke@phil.tu-chemnitz.de). Die Autor*innenkonferenz zum Heft wird im Oktober 2021 an der Humboldt-Universität zu Berlin stattfinden.
Zeitplan
| 1. November 2020 | Deadline für das Einreichen der Abstracts |
| Dezember 2021 | Zusage an die Autor*innen |
| 1. Juli 2020 | Einsendung der formatierten Beiträge zum Peer Review |
| Oktober 2021 | Autor*innenkonferenz in Berlin |
| 30. November 2021 | Abgabe der überarbeitete Beiträge (auf der Grundlage des Peer Review und der Autor*innenkonferenz) |
| Juni 2022 | Erscheinungstermin |
Call for Issues "Das Mittelalter" (2022-2 und 2023-1)
[please scroll down for English version]
Der Mediävistenverband e.V. veröffentlicht seit 1996 die halbjährlich erscheinende Zeitschrift „Das Mittelalter“, die international an über 1100 Mitglieder des Verbandes versandt wird. Die Hefte von „Das Mittelalter“ sind thematisch ausgerichtet, interdisziplinär zusammengesetzt und diskutieren aktuelle Fragestellungen aus allen Bereichen mediävistischer Forschung.
Für die Hefte 2022-2 und 2023-1 sucht der Mediävistenverband je zwei oder drei Heftherausgeber*innen, die zusammen ein Heft von „Das Mittelalter“ zu einem selbstgewählten Thema mit acht bis zehn Beiträgen aus verschiedenen mediävistischen Disziplinen zusammenstellen (Heftherausgeber*innen müssen mindestens promoviert sein).
Anforderungen an die Herausgeber*innen:
– Sie vertreten gemeinsam mindestens zwei verschiedene Fächer.
– Sie veröffentlichen einen Call for Papers, mit dem Sie Autor*innen zum Publizieren eines Aufsatzes in ihrem interdisziplinär zusammengesetzten Heft einladen und auswählen.
– Sie organisieren einen Heft-Workshop in Form einer Autorenkonferenz, auf der die ausformulierten Beiträge im Plenum diskutiert werden.
Vorteile der Herausgabe eines Themenhefts von „Das Mittelalter“:
– hohe Sichtbarkeit und weltweite Reichweite der Zeitschrift
– Veröffentlichung im open access-Format bei Heidelberg University Press (HeiUP)
– Bezuschussung des Heft-Workshops durch den Mediävistenverband
– Qualitätssicherung durch ein peer review-Verfahren
– vergleichsweise schnelle Publikation
Zeitplan (für Heft 2022-2):
– Anfang April 2021: Veröffentlichung des Call for Papers
– Anfang 2022: Abgabe der ausformulierten Beiträge zum peer review
– März/April 2022: Heft-Workshop
– Ende Juni 2022: Abgabe der überarbeiteten Beiträge als Druckmanuskript
– Ende November 2022: Erscheinen des Heftes
(analog für Heft 2023-1 je ca. 6 Monate später)
Bitte senden Sie Ihren Vorschlag für einen Hefttitel samt Abstract unter Angabe der beteiligten Herausgeber*innen bis zum 19. Oktober 2020 an Prof. Dr. Regina Toepfer: redaktion-dasmittelalter@tu-braunschweig.de.
Das Abstract (ca. 3.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) sollte Ihr Thema vorstellen und besonders auf die interdisziplinäre Ausrichtung Ihres geplanten Heftes eingehen. Legen Sie außerdem dar, wie Sie Ihr Thema in der gegenwärtigen mediävistischen Forschungslandschaft situieren würden.
Rückfragen beantwortet gern die Schriftführerin des Mediävistenverbands, Prof. Dr. Regina Toepfer: redaktion-dasmittelalter@tu.braunschweig.de.
Eine Liste bisher erschienener Hefte von „Das Mittelalter“ finden Sie hier.
Call for Issues „Das Mittelalter“
The Mediävistenverband publishes the biannual journal “Das Mittelalter“, established since 1996 and subscribed to by academic institutions and more than 1100 international members of the Mediävistenverband. Each issue of “Das Mittelalter“ unites articles from various disciplines on one topic of current relevance to medieval studies.
For the issues 2022-2 and 2023-1, the Mediävistenverband is looking for two to three editors per issue who will put together an interdisciplinary selection of eight to ten articles on a topic of their choosing.
Requirements for prospective editors:
– You hold a PhD.
– As a team, you represent at least two different disciplines.
– You publish a Call for Papers to invite and select the contributors to your interdisciplinary issue.
– You organize an issue-workshop in the format of a seminar, during which the written pre-circulated articles are discussed among all the contributors.
Advantages of publishing an issue of “Das Mittelalter“:
– the large print run and global visibility of the journal, which will be published open access through Heidelberg University Press (HeiUP);
– financial support by the Mediävistenverband for the issue-workshop;
– a peer review process to ensure quality;
– a relatively quick publishing process.
Schedule (for issue 2022-2):
– beginning of April 2021: publication of the Call for Papers
– beginning of 2022: submission of articles for pre-circulation
– March/April 2022: issue-workshop
– end of June 2022: submission of the edited manuscripts for printing
– end of November 2022: issue appears
(add 6 months for the schedule for 2023-1)
Please send an abstract of your proposed issue to Prof. Dr. Regina Toepfer: redaktion-dasmittelalter@tu-braunschweig.de by 19 October 2020.
Your submission (ca. 3.000 characters incl. spaces) should give the names of all prospective editors, introduce your topic and give details regarding the interdisciplinary scope of the proposed issue. Please also explain why you think your topic is relevant to current discourses in medieval studies.
Questions can be addressed to the secretary of the Mediävistenverband, Prof. Dr. Regina Toepfer, at redaktion-dasmittelalter@tu.braunschweig.de.
A list of previous issues of “Das Mittelalter“ can be found on the webpage of the Mediävistenverband.
Symposium 2023 "Normen und Ideale"
Symposium des Mediävistenverbands verschoben:
Das nächste Symposium „Normen und Ideale“ findet vom 5. bis 8. März 2023 in Würzburg statt. Aktuelle Informationen finden sich unter: <http://www.romanistik.uni-wuerzburg.de/mvsymposium2023>
Achtung: Die Mitgliederversammlung des Verbands wird allerdings turnusgemäß im Jahre 2021 stattfinden. Präsidium und Beirat planen eine entsprechende Ersatzveranstaltung in Frankfurt; ggf. wird die Versammlung online durchgeführt (Informationen dazu folgen).
Ausschreibung Universität Kassel
An der Universität Kassel, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Fachgebiet Mittelalterliche Geschichte (Prof. Dr. Ingrid Baumgärtner), ist baldmöglichst die folgende Stelle zu besetzen:
Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (m/w/d), EG 13 TV-H, befristet, Vollzeit (derzeit 40 Wochenstunden)
Bewerbungsfrist: 28.09.2020
Einstellungsbeginn: baldmöglichst
Kennziffer: 33427
Die Stelle ist im Rahmen des Vorhabens einer digitalen Arbeitsumgebung im Projekt „Burchards Dekret Digital“ der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz zunächst bis zum 31.12.2024 befristet (§ 2 Abs. 2 WissZeitVG). Die Möglichkeit zur Promotion ist gegeben.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Zeitschrift erschienen - Imaginationen und Praktiken des Rechts!
„Das Mittelalter“ 2020 · Band 25 · Heft 1 „Imaginationen und Praktiken des Rechts. Literatur- und geschichtswissenschaftliche Perspektiven“ – herausgegeben von Roland Scheel und Silke Schwandt ist erschienen.
Neue Bände der Beihefte erschienen
Im Oktober und November 2019 sind vier neue Bände der Reihe „Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte“ erschienen.
Beiheft erschienen - Die Urkunde!
Andrea Stieldorf (ed.), Die Urkunde. Text – Bild – Objekt (MABH 12), Berlin 2019
Beiheft erschienen - Making the Medieval Relevant!
Chris Jones / Conor Kostick / Klaus Oschema (ed.), Making the Medieval Relevant. How Medieval Studies Contribute to Improving our Understanding of the Present (MABH 6), Berlin 2019 (auch open access)
Beiheft erschienen - The Crisis of the 14th Century!
Martin Bauch/Gerrit Jasper Schenk (ed.), The Crisis of the 14th Century: ‚Teleconnections‘ between Environmental and Societal Change? (MABH 13), Berlin 2019
Beiheft erschienen - Prodesse et delectare!
Norbert Kössinger/ Claudia Wittig (ed.), Prodesse et delectare. Case Studies on Didactic Literature in the European Middle Ages (MABH 11), Berlin 2019
CfP "Medieval History Seminar" (Sept 29 - Oct 2, 2021)
German Historical Institutes in London and Washington, D.C. are excited to announce the twelfth Medieval History Seminar, to be held in London from 30 Septemberto 2 October 2021.The seminar will bring together Ph.D. candidates and recent Ph.D. graduates (2020) in medieval history from American, Canadian, British, Irish, and German universities for three days of scholarly discussion and collaboration. Participants will have the opportunity to present their work to peers and distinguished scholars from both sides of the Atlantic. Conveners for the 2021 seminar will be Paul Freedman (YaleUniversity), Bernhard Jussen (Goethe University Frankfurt), Simon MacLean (University of St Andrews), Fiona Griffiths (Stanford University), Len Scales (Durham University), and Dorothea Weltecke (Goethe University Frankfurt).
See here for the CfP.
Please e-mail all application documents in a single PDF file to: c.sterckx@ghil.ac.uk. The deadline for submissionsis 31 January 2021. For further information, please contact Stephan Bruhn: s.bruhn@ghil.ac.uk, German Historical Institute 17 Bloomsbury Square London WC1A 2NJ (UK), Tel. +44–(0)20–7309 2050.
Call for Sessions: 6. Forum Kunst des Mittelalters (Frankfurt a. M., Sept 29 – Oct 2, 2021)!
Sinne / Senses
Call for Sessions (deadline: June 1st, 2020)
[please scroll down for English version]
Die Künste und die Sinne waren schon immer wechselseitig aufeinander bezogen. Im Mittelalter machten Kunst und Architektur unterschiedliche Angebote, die Welt sinnlich zu begreifen und zu ordnen. Das Einverleiben von Farbe byzantinischer Ikonen, das Schwören auf die im Reliquiar eingeschlossenen Reliquien, das Tragen inwendig gestalteten Körperschmucks, das Schwingen goldglänzender Weihrauchfässer, um den heiligen Raum durch Geruch zu markieren, oder das Glockengeläut, um die Nähe Gottes zu vermitteln, lassen keinen Zweifel daran, dass das Mittelalter sinnlich geprägt war.
Wenngleich in theoretischen Abhandlungen die Sinne ausdifferenziert und in ihrem Verhältnis zueinander ausgeleuchtet wurden, lassen sich die Theoreme nur bedingt heranziehen, um den Stellenwert einer sinnlichen Bild-, Objekt- und Raumwahrnehmung zu erschließen. So wurde die Gotteserkenntnis als ein entmaterialisierter Akt beschrieben; dennoch brauchte es die Sinne, um spirituelle Einsicht zu erlangen und zu vermitteln. Seit der Antike wird bei Aristoteles, Platon, Augustinus und Isidor von Sevilla dem Sehen der Primat unter den Sinnen gegeben – eine privilegierte Stellung, die auch die ältere kunst- und kulturhistorische Forschung dem Sehen zuerkannt hat. Erst in den letzten Jahren ist gerade durch Studien zur Materialität deutlich geworden, dass man dem vielstimmigen Erscheinungsbild der mittelalterlichen Künste zu keiner Zeit gerecht werden würde, ginge man von der Dominanz eines der Sinne aus. Die Nahsinne Schmecken und Tasten erweisen sich für das Verständnis der Werke als ebenso essentiell wie die Fernsinne Sehen, Hören und Riechen. Insbesondere an rituellen Ereignissen und höfischen Zeremonien zeigt sich eindrücklich, dass Herstellungspraktiken und Rezeptionsweisen aufs engste mit multisensorischen Erfahrungen verknüpft sind. Die Rolle der Sinne für die Architektur und Ausstattung des sakralen Raums wurde nicht nur im lateinischen Europa und Byzanz, sondern auch in den islamisch geprägten Regionen gezeigt. Und auch für das Verständnis des illuminierten Codex, eines der Leitmedien der mittelalterlichen Kunst, erweisen sich Fragen nach einer erkenntnisgeleiteten Rezeption durch Berühren und fallweise auch Küssen seiner zahlreichen Elemente aus Pergament und Papier, aber auch Textil, Leder und Metall sowie Elfenbein als zentral.
Das 6. Forum Kunst des Mittelalters, welches vom 29. September bis 2. Oktober 2021 in Frankfurt stattfinden wird, lädt dazu ein, über die Rolle der sinnlichen Wahrnehmung in ihrem mittelalterlichen Verständnis sowie dessen Visualisierung und das Zusammenspiel der Sinne in den mittelalterlichen Bild- und Objektkulturen sowie für die Deutung von Räumen und Architekturen im interreligiösen und transkulturellen Vergleich zu diskutieren. Forschungen zu den einzelnen Sinnen und die Art und Weise, wie mit diesen gespielt, wie die sinnliche Wahrnehmung gesteuert, gestört oder auch getäuscht wird, sind gleichermaßen erwünscht wie Sektionsvorschläge, die eine multisensorische, synästhetische Betrachtung von Kunst und Architektur favorisieren. Erwünscht sind ferner Vorschläge, welche die aus dieser Perspektive resultierenden methodischen Herausforderungen erörtern. Welche Möglichkeiten bieten Werkzeuge der digitalen Kunstgeschichte, sich den historischen Wahrnehmungskontexten zu nähern, etwa durch die Erstellung virtueller Realitäten oder die Rekonstruktion oratorischer und auditiver Räume? Die zunehmende multimediale Vermittlung mittelalterlicher Kunst in den musealen Sammlungen wirft schließlich die Frage auf, wie dergestalt die Geschichtlichkeit sinnlicher Zugangsweisen dargestellt werden kann und darüber hinaus sich sogar neue Deutungskontexte erschließen lassen.
Ihre Vorschläge (max. 1 Seite) für Sektionen mit max. zwei Sektionsleiter*innen richten Sie bitte bis zum 1. Juni 2020 an mail@mittelalterkongress.de. Bitte senden Sie keine fertigen Sektionen mit Referenten/Referentinnen ein. Nach Auswahl der Sektionsvorschläge wird der Call for Papers voraussichtlich im Juli 2020 veröffentlicht.
Organisation: Kristin Böse und Joanna Olchawa (Goethe-Universität Frankfurt) mit weiteren Partnern in Frankfurt am Main sowie dem Deutschen Verein für Kunstwissenschaft e.V.
www.mittelalterkongress.de
The arts and the senses have always been reciprocally related to one another. In the Middle Ages, sensual encounters with art and architecture offered a variety of ways to perceive, comprehend and structure the world. Pledging to relics enclosed in precious reliquaries, incorporating color from Byzantine icons, distinguishing the holy space by swinging golden polished censers, wearing inwardly decorated jewelry on the body or ringing the church bells to make audible the presence of God – such actions leave no doubts about the significance of the senses in the Middle Ages, and furthermore bring to light the role of art within such operations.
Although the senses and their interplay are well defined in theoretical treatises, theories are of limited use when it comes to understanding the sensual perception of images, objects, and spaces. While, for instance, the knowledge of God is described as a dematerialized act, the senses were nevertheless used to obtain and mediate spiritual insight. Since antiquity, seeing has been the dominant sense, as the works of authors such as Aristotle, Plato, Augustine and Isidore of Seville suggest. This privileged position was further ascribed by cultural and art historical research over a long period of time. Nevertheless, in recent years, studies on materiality have argued that the dominance of this one singular sense misrepresents the multisensory nature of medieval art. The ‘close-up’ senses such as tasting and touching are as essential for the understanding of artefacts as the ‘distant’ senses of seeing, hearing and smelling. In particular, liturgical and courtly ceremonies offer convincing evidence that processes of production and reception are related to multisensory experiences. The role of the senses in the architecture and decoration of sacred space has been revaluated not only within Latin Europe and the Byzantine Empire, but also within Islamic dominated regions. Furthermore, in order to comprehend the codex, one of the leading media throughout the Middle Ages, questions of sensual perception through tasting and sometimes kissing of its different elements such as parchment and paper, as well as textiles, leather, metal and ivory have also proved to be essential.
For the 6th Forum Kunst des Mittelalters, which will take place from September 29th to October 2nd, 2021 in Frankfurt, we would like to invite discussions on the role of sensual perception and the interplay of senses in medieval image and object cultures as well as in architecture, including topics from interreligious and cross-cultural perspectives. Studies on individual senses and the ways in which they played, guided, deceived and disturbed sensual perception are welcome, as well as proposals which privilege a multisensory and synesthetic approach. We furthermore ask for proposals that discuss the methodological challenges that arise from these perspectives. Furthermore, which possibilities do digital methods offer for understanding historical contexts of perception, e.g. through virtual reality or the reconstruction of auditive and oratorical spaces? This includes studies on the increasing popularity of multimedia concepts in exhibitions that question how the historicity of sensual approaches could be represented and, beyond that, how it could help to reveal new interpretative frameworks.
Please send your submission (max. one page) for a session with max. two organizers per session by June 1st, 2020, to mail@mittelalterkongress.de. Please do not send proposals with lists of speakers at this point. After the selection of sessions, the Call for Papers will be announced in July 2020.
Organization: Kristin Böse and Joanna Olchawa (Goethe-Universität Frankfurt) with different partners from Frankfurt am Main as well as the Deutscher Verein für Kunstwissenschaft e.V.
www.mittelalterkongress.de
Vergabe des Dissertationspreises 2019
Auf dem Symposium des Mediävistenverbandes in Tübingen wurde am 20. März 2019 der Dissertationspreis an Kristina Rzehak für ihre Arbeit „Macht und Literatur bei Timuriden und Habsburgern. Politischer Übergang und kulturelle Blüte in den Selbstzeugnissen Baburs und Maximilians I.“ verliehen.
Laudatio zur Vergabe des Dissertationspreises des Mediävistenverbandes
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Preisträgerin, liebe Frau Kristina Rzehak,
es ist mir eine große Freude und Ehre, im Namen der Jury des Dissertationspreises des Mediävistenverbandes, im Namen des Beirats und des Präsidiums Sie und Ihre Arbeit kurz vorstellen und würdigen zu dürfen.
Zuerst ein paar Worte zu unserer Preisträgerin selbst: Kristina Rzehak hat an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und an der University of Skövde/Schweden Germanistik, Nordistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Sie war in Münster und an der Nationalen Mirzo-Ulugbek-Universität in Taschkent/Usbekistan als Lehrbeauftragte tätig, von 2009-2012 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster, seit 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Netzwerk Informations- und Schreibkompetenz an der Fachhochschule Bielefeld.
Ihre Dissertation trägt den Titel:
Macht und Literatur bei Timuriden und Habsburgern. Politischer Übergang und kulturelle Blüte in den Selbstzeugnissen Baburs und Maximilian I.
Die Arbeit ist eben im Ergon-Verlag, in der Reihe des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ erschienen. Sie wurde Ende 2017 an der Universität Münster eingereicht, im Frühjahr 2018 von den Professoren Tomas Tomasek vom Germanistischen Institut, Abteilung Literatur des Mittelalters, und Thomas Bauer vom Institut für Arabistik und Islamwissenschaft mit dem Bestkalkül „Summa cum laude“ approbiert.
Die Dissertation von Kristina Rzehak zielt auf einen kulturtypologischen Vergleich „autobiographischer“ Herrschaftsinszenierung um 1500 nach christlicher Zeitrechnung bei Maximilian I. und um 900 nach islamischer Zeitrechnung bei dem Timuridenherrscher Zahiruddin Muhammad Babur. Das Textcorpus bilden auf der Seite Maximilians Freydal, Theuerdank und Weißkunig, für Babur dessen Baburnama. Frau Rzehak achtet dabei konsequent auf die Engführung der entsprechenden historischen, politischen wie soziokulturellen Ereigniskontexte und der literarischen Repräsentationsverfahren, die zudem in die jeweiligen einschlägigen literarischen Traditionen eingebettet werden.
Aus der Kombination der kulturwissenschaftlichen Frage nach herrscherlicher Repräsentation, der historiographischen und historisch-soziologischen nach herrscherlichen Etablierungsstrategien und der literaturwissenschaftlichen nach entsprechenden literarischen Darstellungsformen ergibt sich a priori ein konsequent interdisziplinärer Ansatz. Beachtlich ist dabei der Einblick in zwei ganz unterschiedliche historische Herrschaftskulturen. Er basiert auf einer umfassenden Kenntnis der Quellen und auf einem kritischen, philologisch versierten Umgang mit ihnen, was entsprechend solide Kenntnisse in den historischen Sprachen bzw. Sprachstufen voraussetzt. Schon dies ist jedenfalls im Bereich der tschagataischen Sprache, in der das Baburnama verfasst ist, eine Ausnahmekompetenz, die es verdient, hervorgehoben zu werden.
Kristina Rzehak weiß zudem gleich zu Beginn die Relevanz und Aktualität ihres Themas klar zu profilieren und plädiert von ihren Ergebnissen her überzeugend dafür, dass angesichts der gegenwärtigen, mitunter überhitzten Debatte über die Fremdheit zwischen westlichen und islamischen Kulturen vielmehr Aspekte kultureller Entsprechung stärker zu machen seien. Dieses Plädoyer wird nicht nur typologisch, sondern auch historisch abgesichert: Beide Hofkulturen wurzeln zum einen in antiken Traditionen, für die timuridische Kultur der Zeit sei außerdem klar, dass sie keineswegs statisch vorhergehende Traditionen weiterführe, sondern durchaus beispielhaft für so etwas wie eine islamische Renaissance im untersuchten Zeitraum stehen könne. Über die Antike als ein wesentliches Traditionsfundament beider Kulturen gelangt der Kulturvergleich im übrigen auch über einen „bloß“ typologischen Zugang hinaus.
Die Arbeit reflektiert eingangs sehr umsichtig Problematik und Potenzial eines solchen Vergleichs. Im Zusammenhang mit dem genannten Relevanzaspekt und im Sinne einer kulturhistorisch fundierten Sichtweise auf kulturelle Differenz bezieht sie schlüssig postkoloniale Theorieansätze, namentlich Edward Saids Studie Orientalism mit ein. Für die Frage herrscherlicher Selbstrepräsentation greift sie behutsam auf die Herrschaftstheorie Max Webers und Pierre Bourdieus Theorie vom kulturellen Kapital zurück.
Die Arbeit gliedert sich in 10 Großkapitel. Das erste dient der theoretischen und methodischen Grundlegung sowie der kritischen Sichtung der Forschung, das zweite versucht ein Gesamtbild der historischen Situation der Habsburger- und der Timuridendynastie um 900 bzw. 1500 zu entwerfen. Das dritte Kapitel beleuchtet
eingehend die genannten volkssprachlichen Quellentexte, wobei für Frau Rhezaks philologische Umsicht insbesondere auch die detaillierte Auseinandersetzung mit der Editions- und Übersetzungsgeschichte des Baburnama spricht. Das vierte Kapitel umreißt die thematischen Kategorien, unter denen die beiden Textcorpora verglichen werden sollen: namentlich sind dies 1.) Dynastie (dynastische Herkunft, Genealogie und Familienverbund), 2.) Religion, 3.) Kriegsführung und höfische Repräsentation schließlich 4.) Kunst und Wissenschaft. Die folgenden umfassenden Kapitel 5–8 führen die genannten Vergleichsbereiche detailliert aus. Kapitel 9 systematisiert die untersuchten Bereiche in vier konzisen Schlussfolgerungen. Fazit und Ausblick beschließen die Arbeit.
Die gewählte Darstellungsweise in den einzelnen Kapiteln mag auf einen ersten Blick vielleicht ein wenig schematisch erscheinen. Der Vorteil einer analogen, konsequent dreischrittigen Gliederung (erst Maximilian, dann Babur, dann Gegenüberstellung) für Bereiche wie eben Religion, Krieg, Frauen, Hofkultur usw. liegt aber nicht zuletzt darin, dass sich die Kapitel gut für sich studieren lassen. Und mithin interessieren ein europäisches, zumal ein germanistisches Lesepublikum ja die Timuriden mehr als Maximilian, wenn ich mir diese Bemerkung, wenn schon nicht als Tiroler, so doch als Österreicher auch und gerade wegen des Maximilian-Jubiläums gestatten darf.
Inhaltlich besonders fruchtbringend (und die Tragfähigkeit der Analogien auch gut veranschaulichend) scheinen mir die Ausführungen zur Wahl der Volkssprache sowohl in den Schriften Maximilians als auch Baburs, wobei Frau Rzehak auf die unterschiedliche Motivation und das differierende Sprachprestige eingeht: Im Falle Baburs verweist der Status des Tschagataischen als Sprache des Militärs auf ein spezifisch adressiertes Publikum, das stärker im engeren Gefolgschaftskreis zu suchen sei.
Außerdem besonders interessant die Ausführungen zu den erotischen Diskursen, die bei Maximilian ganz in der Tradition höfischer, heteronormativer Minnekultur stehen, wobei die „Hypostasen“ Marias von Burgund (vor allem als Königin Ehrenreich im Theuerdank) entsprechend stilisiert erscheinen. Bei Babur hingegen findet sich eine Passage über eine homoerotische Liebespassion, die die Verfasserin gut über die geschlechtertheoretisch monologisch-maskuline Diskursstruktur und Diskurstradition sowie in ihren allegorischen Dimensionen erklärt. Sie verweisen auf eine para-erotische Stilisierung des Verhältnisses zwischen Herrscher und (männlicher) Gefolgschaft. Der Themenkomplex ist für die europäische Mediävistik so außergewöhnlich, dass man sich hier fast eine noch etwas detaillierter Darstellung gewünscht hätte.
Ebenfalls sehr einleuchtend und überzeugend sind die Kapitel zur religiösen Grundierung herrscherlichen Charismas. Neu hier (für mich wenigstens) die Ausführungen zu Maximilians Ambitionen, das Papstamt zu erlangen. In der Makrostruktur der Herrscherdarstellung ortet die Verfasserin eine klare Analogie in der umfassend semantisierten Wegmetaphorik, namentlich in der Zweiwegetheorie (schmaler Pfad der Tugend, breiter des Lasters). Dies im übrigen ein konkreter Punkt, wo die zugrundliegende antike Topik beide Kulturen verbindet.
Die vier Schussfolgerungen, zu denen die Arbeit kommt, lauten wie folgt, wobei die knappe Nennung kaum ihre jeweils differenzierte Austarierung und ihre Reichweite wiedergeben kann:
1.) Dass beide Herrscher über Literatur Macht generieren, wobei das Verbum generieren zu betonen ist;
2.) dass literarische Verfahren dazu dienen, die Kontingenz des Lebensweges wie der Zeitläufte in sinnstiftende herrscherliche Ordnungsmuster umzupolen;
3.) dass beide Herrscher als Autoren – und das könnte auch für ein pointiertes poetischliterarisches Bewusstsein beider sprechen – das Ambiguitätspotenzial der Literatur zu nutzen wissen, um Gegensätzliches (Machtinteressen, Weltliches und Religiöses, Friktionen in der Gefolgschaft) zu vereinen.
Dabei sei 4.) Maximilian deutlich auf Herrschaftsoptimierung und -verfestigung aus, während sich Babur differenzierter als Ambiguitätsmanager, wie das Rzehak treffend nennt, inszeniere.
Ihre Arbeit, liebe Frau Rhezak zeichnet sich insgesamt durch fundierte geschichts- und literaturwissenschaftliche Fachkenntnis in zwei scheinbar völlig unterschiedlichen historischen Kulturkreisen aus, schon diese Kompetenz ist außergewöhnlich. Sie ist philologisch akkurat und präzise erstellt, darin aber keineswegs theoriefern, vielmehr gelingt Ihnen eine überzeugende kulturwissenschaftliche Perspektivierung.
Um meiner Laudatio schließlich die angemessene panegyrische Note zu geben: In der Geschichtswissenschaft ist schon länger der Begriff der Globalgeschichte eingeführt. Vielleicht steuern Sie mit Ihrer Dissertation auf so etwas wie eine „Globalphilologie“ im besten Sinne zu. Ich wünsche Ihnen jedenfalls viele interessierte Leserinnen und Leser aus den Philologien, der vergleichenden Literaturwissenschaft, aus der Geschichtswissenschaft, der historischen Soziologie und der Kulturwissenschaft, aus der interdisziplinären Mediävistik insgesamt und darf Ihnen als Preisträgerin des Mediävistenverbandes herzlich gratulieren.
Manfred Kern
Danksagung
Sehr geehrter Herr Professor Kern,
sehr geehrter Herr Professor Drews,
sehr geehrter Herr Professor Müller,
liebe Mitglieder der Jury des Dissertationspreises,
liebe Mitglieder des Mediävistenverbands,
wenn man sich, wie ich, als Forschungsgegenstand die Selbstzeugnisse zweier Herrscher wie Maximilian I. und Babur wählt, stellt man sehr schnell fest, dass man sehr oft und sehr viele disziplinäre Grenzen überschreiten muss: bei der Literaturrecherche, bei Tagungsteilnahmen oder bei der Methodenwahl. Disziplinäre Grenzen haben mir sicher manches Mal die Bearbeitung meines Forschungsthemas erschwert. Umso mehr freue ich mich, dass die interdisziplinäre Anlage meiner Dissertation von Ihnen wertgeschätzt wird. Die Mühe hat sich also gelohnt.
Ich empfinde es als große Ehre, dass meine Arbeit für den Nachwuchspreis des Mediävistenverbands ausgewählt wurde – obwohl es andere sicherlich ebenso verdient hätten. Für diese Wahl möchte ich mich von Herzen bei Ihnen bedanken!
Mein großer Dank gebührt auch meinem Erstgutachter Professor Dr. Tomas Tomasek, der mir für meine Forschungen stets große Freiheiten ließ und meine Arbeit mit großem Interesse begleitete. Als ich während meines Studiums begann, als Hilfskraft für die von Herrn Tomasek geleitete Germanistische Institutspartnerschaft des Germanistischen Instituts der Universität Münster mit dem Lehrstuhl für Deutsche Philologie der Nationalen Universität Usbekistans zu arbeiten, konnte ich noch nicht ahnen, wie sehr mich die Geschichte und Sprache Usbekistans begeistern und beschäftigen würden.
Auf meinen ersten Usbekistanaufenthalt im Jahr 2005 sollten viele weitere folgen, in denen ich unterschiedliche Rollen ausfüllte: Sprachschülerin, Tutorin, Dozentin, schließlich Wissenschaftlerin. All diese Aufenthalte wären nicht möglich gewesen ohne den DAAD, der den Besuch zunächst eines Usbekisch-Sprachkurses in Samarkand und dann die Germanistische Institutspartnerschaft förderte, in deren Rahmen ich mich bewegte. All diese Aufenthalte wären ebenfalls nicht möglich und vor allem nicht so lehrreich gewesen ohne unsere zahlreichen usbekischen Freunde und Unterstützer, von denen ich viel über Land und Leute lernen durfte und denen ich für ihre große Gastfreundschaft sehr dankbar bin.
Mein großer Dank gebührt ebenfalls meinem Zweitgutachter Professor Dr. Thomas Bauer, der mir sowohl in zahlreichen persönlichen Gesprächen als auch durch seine Vorträge und Veröffentlichungen wichtige und grundlegende Denkanstöße für meine Arbeit lieferte.
Durch viele Jahre meiner Arbeit an meiner Dissertation habe ich große Unterstützung aus dem Exzellenzcluster Religion und Politik der Universität Münster erhalten, an dem ich zudem drei Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Graduiertenschule großartige Forschungsbedingungen genießen durfte.
Seit meiner Zeit als studentische Hilfskraft und über die Jahre der Entstehung meiner Dissertation habe ich zudem viel fachliche und ermunternde Unterstützung von den Mitgliedern des Lehrstuhls von Herrn Tomasek und aus dem Germanistischen Institut der Universität Münster erhalten. Mein Dank gebührt auch meinem Verlag, vor allem Tanja Ebner, die heute Abend auch hier ist und die mich vorbildlich bei der Drucklegung meiner Arbeit, die vor 1,5 Wochen erschienen ist, betreut hat.
Meine aktuelle Anstellung hat mich zwar von der Mediävistik etwas weggeführt – nicht jedoch vom interdisziplinären Arbeiten. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Fachbereichs für Ingenieurwissenschaften und Mathematik freue ich mich jeden Tag, disziplinäre Grenzen zu überschreiten und hoffe, dass auch ich ab und zu bei meinen Studierenden Interesse für andere Disziplinen wecken kann.
Sie sehen, dass mir das interdisziplinäre Arbeiten am Herzen liegt. Ich freue mich daher sehr, aus den Reihen des interdisziplinär aufgestellten Mediävistenverbands dafür mit dem Dissertationsspreis belohnt zu werden. Ihre Wertschätzung bedeutet mir sehr viel und ich möchte mich dafür noch einmal sehr herzlich bei Ihnen dafür bedanken!
Kristina Rzehak
Nachruf
Der Mediävistenverband trauert um Prof. Dr. Gerhard Krieger, der am 30.12.2018 im Alter von 67 Jahren in Brühl verstorben ist. Gerhard Krieger, der seit 1994 den Lehrstuhl für Philosophie I der Theologischen Fakultät Trier innehatte und seit 1999 Honorarprofessor der Universität Trier war, trat im Jahr 2000 in den Mediävistenverband ein. Von 2003 bis 2005 vertrat er im Beirat die Theologie, von 2005 bis 2007 war er als Vertreter des nächsten Tagungsortes Mitglied des Präsidiums. Unter seiner Leitung fand 2007 in Trier das 12. Symposium zum Thema „Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft – Soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter“ statt. Von 2007 bis 2011 war Gerhard Krieger als Präsident des Mediävistenverbandes tätig.
Neben den Tagungsakten zum Symposium 2007 veröffentlichte Gerhard Krieger zahlreiche philosophiegeschichtliche Beiträge in der Verbandszeitschrift „Das Mittelalter“ und gab 2010 gemeinsam mit Gottfried Kerscher ein Themenheft mit dem Titel „Askese im Mittelalter“ heraus.
Gerhard Krieger war ein engagierter und mitunter leidenschaftlich streitlustiger Vertreter seines Faches – einer, dem die Philosophie des Mittelalters stets am Herzen lag. Sowohl in wissenschaftlicher als auch in wissenschaftspolitischer Hinsicht bemühte er sich unermüdlich darum, das Mittelalter entgegen manch gängiger Klischeevorstellungen als Ort der Rationalität, der geistigen Auseinandersetzung und der Aufgeklärtheit stark zu machen. Zu seinen Favoriten zählte Johannes Buridanus, dem er seine Qualifikationsschriften und zahlreiche Beiträge widmete.
Der Mediävistenverband wird Prof. Dr. Gerhard Krieger ein ehrendes Andenken bewahren.
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