Call for Papers: TEXT & TEXTUR: WeiterDichten und AndersErzählen im Mittelalter

Internationale mediävistische Fachtagung an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 26. bis 28. September 2018

Der metaphorische Ursprung des Wortes ‚Text‘ ist heute kaum noch bewusst: der Text als ein Produkt des Webens und Flechtens (lat. texere), ein Gewebe oder Geflecht (lat. textus), das auf Grund seiner semantischen, rhetorischen, poetischen und narrativen Ausformung eine je spezifische Textur erhält. Die mittelhochdeutsche Literaturproduktion kennt keine volkssprachige normative Poetik, sie leitet ihr Wissen um die Ästhetik von Texten ebenso aus der antiken Rhetorik wie aus vorgängiger und zeitgenössischer Literatur unmittelbar ab. Es ist folglich die rhetorische und die literarische Tradition selbst, die die Konzepte der imitatio und aemulatio als Formen des Retextualisierens von Motiven, Stoffen und Gattungen zur Verfügung stellt.

Mittelalterliche Literaturen sind immer in einem doppelten Sinne intertextuell: Zum einen literatur- und zeichentheoretisch als Text-Phänomene, die – seit Bachtin und Kristeva – grundsätzlich interreferentiell verwoben sind. Zum anderen bereits materiell bedingt: als handschriftliche Abschrift einer Textvariante oder -fassung, als Ergänzung oder als Abbreviatur einerseits und als Bestandteil eines mehr oder weniger zusammenhängenden Textkorpus innerhalb eines Codex andererseits. Vor dem Hintergrund der Alteritätsaspekte vormoderner Literatur versteht es sich von selbst, dass in der Germanistischen Mediävistik ‚Intertextualität‘ als Forschungsgegenstand und deren Beschreibung und Deutung als Methode gängig sind. Die Forschung zum spezifischen Phänomen des Wieder- resp. Weitererzählens und -dichtens hingegen befindet sich noch in den Anfängen – obwohl dieses nach Worstbrock (1999) womöglich „die fundamentale allgemeinste Kategorie mittelalterlicher Erzählpoetik“ (S. 130) darstellt. Unter Begriffen wie „Wiedererzählen“ (Worstbrock 1999), „rewriting“ (Kelly 1999) oder „Retextualisieren“ (Bumke/Peters 2005) werden in der mediävistischen Literaturwissenschaft verschiedenste Phänomene der Textualität diskutiert, die vielfach schier unterschiedslos als „literarische Bearbeitungen von Vorgängigem“ (Bumke/Peters 2005, S. 1) bezeichnet und bisher kaum systematisch gefasst wurden.

Was in der modernen Forschungsdebatte über Intertextuelles in mittelalterlicher Literatur noch im Besonderen fehlt, ist eine systematische Herausarbeitung der Zusammenhänge von unterschiedlichen Erscheinungsformen von Intertext im Mittelalter: Inwiefern bedingen Alteritätskonstituenten mittelalterlicher Literatur wie Textualität und Autorschaft, Materialität und Medialität die Gesamtheit des literarischen Feldes der Vormoderne als vielfältig verwobenes Geflecht wechselseitiger Bezugnahmen?

Die Tagung findet vom 26. bis 28. September 2018 im Bonner Universitätsforum (Heussallee 18–24) statt. Zu den drei genannten Themenfeldern werden Vorschläge insbesondere auch des wissenschaftlichen Nachwuchses für Vorträge erbeten, die den Umfang von 30 Minuten nicht überschreiten sollten. Die Kosten für Reise und Unterkunft werden vorbehaltlich der Einwerbung von Drittmitteln zur Finanzierung der Tagung übernommen. Eine Veröffentlichung der Beiträge ist vorgesehen. Ihre Bewerbung senden Sie bitte mit Vortragstitel und einem Exposé in einem Umfang von maximal 2000 Zeichen bis zum 3. April 2018 in elektronischer Form an folgende Adressen:

Fabian Böker: fabian.boeker@uni-bonn.de
Dr. Birgit Zacke: birgit.zacke@uni-bonn.de

Hier finden Sie den ausführlichen CfP als pdf.

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